Gehard Demetz
∗1972, Italy
lives and work in Selva Gardena, Italy
Gehard Demetz ist Bildhauer. Sein Werkstoff ist meist das Holz, sein Thema der Mensch. Beim Betrachten der überwiegend kindlichen Skulpturen drängt sich das Gefühl auf, dass der Künstler weniger das Körperliche darzustellen strebt, als vielmehr das Innenleben, ja Bewusstsein und auch Unterbewusstsein der menschlichen Existenz. Das Kindliche seiner Wesen macht sie auf den ersten Blick anziehend, beschützenswert, doch eine kühle Distanz, eine wie eingefrorene Wirkung steht einer emotionalen Annäherung im Wege. Während der Körper und die Kleidung noch rau und Spuren des Arbeitsprozesses aufweisen, sind die Oberflächen der Gesichter oder Hände vollkommen glatt und perfekt ausformuliert. Auch das macht die Figuren unnahbar. Es sind Kinder, die sich ihrer Existenz bewusst sind, erwachsen oder frühreif wirken, vielleicht auch am emotional aufgeladenen Übergang vom Kind hin zum Erwachsenen stehen. Als verletzbare aber auch verletzende Wesen wirken sie aufgrund ihrer manchmal offensiven Posen und Gesten feindselig und rührend hilflos zugleich. Die aus Lindenholz gefertigten Skulpturen stammen nicht aus einem Block, sondern werden aus vielen Einzelteilen modulartig zusammengefügt. Offene Nahtstellen, quaderförmige Auslassungen und Fehlstellen, sowie die volumenförmig nicht ausgearbeiteten Rückenpartien legen den bildhauerischen Arbeitsprozess des Werdens offen. Gleichzeitig versinnbildlichen sie aber auch die Brüche des Bewusstseins, die verschiedenen Teile und Versatzstücke, die Persönlichkeit und Individualität ausmachen – ein Prozess, der nie vollendet ist. Gehard Demetz irritiert mit Bronzefiguren der Diktatoren Hitler und Mao. Auch sie tragen kindliche Gesichtszüge. Die schwarz lackierten Arbeiten sind Abgüsse von zwei Holzskulpturen, die Demetz 2007 geschaffen hat. Gegenüber dem Holz hat die Bronze eine andere Oberfläche und Haptik. Zudem wird der Gussprozess erfahrbar gemacht: kleine Stoppel als Übrigbleibsel der Bronzerinnbahnen sind noch überall sichtbar. Diese Kinder wirken zwar klein und unschuldig, gleichzeitig aber auch unheimlich und bedrohlich. Sehen wir zwei Kinder oder aber die zukünftigen Diktatoren? Das Betrachten lässt ein mulmiges Gefühl entstehen, da die Physiognomie ihrer Gesichter unschwer die späteren Diktatoren erkennen lässt und suggeriert, dass bereits im Kindesalter der spätere Lebensweg festgelegt wird. Vielleicht ist es aber auch die Banalität des Bösen, die durch diese zu Zwergen „geschrumpften“ Diktatoren materielle Form angenommen hat. Doch wird die Schuld kleiner, wenn der Mensch in seinen Dimensionen verkleinert wird und uns als unschuldig scheinendes Kind begegnet? Es tauchen mehr Fragen als Antworten auf, je länger man sich den Skulpturen aussetzt. Demetz fordert den Betrachter auf, sich mit seiner Erfahrung und dem eigenen Background den Skulpturen zu nähern und eine ganz eigene Interpretation zu finden.