Gianni Pettena

∗1940, Italy
lives and work in Florence, Italy

Die architektonische Intervention Hotel Ladinia, vor Ort konzipiert, ist Pettenas melancholischer Versuch einer poetischen Aktion. Mit semantischen Anspielungen auf die Projekte des Architekten in den frühen 70ern und später (mit der jüngsten Iteration in Frac Lorraine, Metz 2014) belebt Pettena das Gebäude, dessen Geschichte unterbrochen wurde, mit einem karnevalistisch anmutenden Kostüm aus vielen weißen Papierstreifen. Die vertikalen Streifen bedecken sogar alle Fenster und Türen des lange außer Betrieb stehenden Gebäudes und wecken den Eindruck, als wollten sie es mit Leichtigkeit und Bewegung wieder zum Leben erwecken, als wollten sie seine Wahrnehmung durch die Sprache der Kommunikation erneuern, etwas, was eigentlich Aufgabe von Architektur sein sollte, die stattdessen oft in Nachahmungen und Moden versteinert wird, die Anonymität homegenisieren und die Abwesenheit von Lebendigkeit verkörpern.

Gianni Pettena’s performative installation POIESIS, conceived especially for the Biennale Gherdeina, echoes the anarchitect’s radical statements of 1968, expressed in a trilogy of CARABINIERI, performed in the courtyard of Novara’s city hall, MILITE IGNOTO (UNKNOWN SOLDIER) in Ferrara’s Palazzo dei Diamanti and GRAZIA & GIUSTIZIA, presented at the 6th Festival of Avant-Garde Music in Palermo. Pettena’s large-scale installations consisted of a wall of cardboard measuring about ten meters by two in the form of a word; the sheets of corrugated cardboard assembled into three-dimensional shapes with staples, eventually spelling out a statement of a political relevance and urgency. The trilogy held a contextual dialogue with the city, in which words, constructed deliberately out of cardboard, a perishable material, ended up self-destructing. For a radical architect Gianni Pettena, it was a reflection of the desire to transcribe thoughts in terms of slogans, typical of the student revolt in May 1968; the desire, expressed but to no effect, to spell out an ideological position, to signal the intention to take a stand, even as operators in the field of architecture. And so these three inscriptions took on gigantic dimensions, invading the architecture, conversing with the architecture, limiting its meaning. The preexisting architecture just served as a backdrop to the phrase that was in itself a stereotype.

In Circolo wird die Fotoserie About Non-Conscious Architecture ausgestellt, die eine Art Katalog der „architektonischen Arbeiten, die nicht von Architekten gemacht wurden“ darstellt und die Pettena während seiner Reisen in die USA in den frühen 1970ern erkundete. Die Arbeit stellt die Suche nach einer authentischen Sprache der Architektur dar; sie geht davon aus, dass eine „unbewusste“ Architektur existiert, die, aus dem einfachen Grund heraus, dass sie unverfälscht geblieben ist oder den elementaren Grundbedürfnissen entspricht, einer Analyse bedarf und Reflexion über die verschiedenen Ansätze von Architektur im europäischen Kontext oder überall in der modernen kapitalistischen Gesellschaft auslöst. Von der Bergbauregion am Great Salt Lake bis in die Wüstenlandschaft und die vom Wind geformte Architektur von Monument Valley macht der Anarchitect „eine Reise zurück, um die Enden eines Diskurses zu finden, der nicht mehr besonders sichtbar ist, da die Harmonie, die Osmose mit einem physischen Raum aus einer Vielzahl geistiger Gewohnheiten besteht, oder aus einem verloren gegangenen Temperament.“

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