Hubert Kostner

∗1971, Italy
lives and work in Castelrotto, Italy

Hubert Kostner setzt sich in seinen skulpturalen Arbeiten und Installationen, seinen Aktionen und Interventionen im öffentlichen Raum ironisch wie hintergründig mit der Besetzung und infolge Inbesitznahme von Räumen auseinander, insbesondere von Naturräumen und ihrer architektonischen und topografischen Vereinnahmung. Der Künstler ist ein scharfer Beobachter von touristisch erschlossenen Gebieten im alpinen Raum und ihrer klischeehaften Wahrnehmung, er untersucht die Auswirkungen von Massentourismus und Freizeitindustrie in einer durch infrastrukturelle Eingriffe benutzerfreundlich gemachten Natur. Naturlandschaften werden erobert und territorial vereinnahmt, anstelle einer romantischen, erhabenen Sicht auf die Natur tritt der Blick auf eine medialisierte und leicht konsumierbare Landschaft. Kostners Kunstwerke ermöglichen durch Kontextverschiebungen und Verfremdungen von Größe und Dimension überraschende Perspektivenwechsel. Parodistische Anspielungen lassen seine Werke nicht allzu ernst erscheinen, doch gerade deshalb verfehlen sie nie ihre Wirkung.

In seinen meist kleinformatigen Skulpturen und Bildern geht Hubert Kostner von landschaftlichen Beobachtungen seiner unmittelbaren Umgebung aus und verfremdet sie in modellartigen Versuchsanordnungen. Bei Aktionen und Arbeiten im öffentlichen Raum reagiert Kostner konsequent auf ortspezifische Gegebenheiten. Kostners Installation besteht aus einem dutzend Seilrollen einer Liftanlage, die auf senkrechten Stangen aufgefädelt wurden und über Holzbalken an zwei bestehenden Bäumen fixiert sind. Die Arbeit fügt sich wunderbar in ihren Umraum ein, sie wirkt wie eine Abgrenzung zwischen Fußgängerzone und dahinter liegender Straße, im Hintergrund ist die Seilbahn zur Seiser Alm sichtbar. Die Lifträder sind innen goldfarben lackiert. Kostner fordert die Besucher auf, diese zu drehen und sich dabei etwas zu wünschen. Der Künstler macht uns so die Ästhetik eines Gebrauchsgegenstandes bewusst, die Lifträder werden zu einer Skulptur mit partizipativem Moment. In einer Mischung aus Liftanlage, tibetischer Gebetsmühle und Spielplatzgerät lotet Kostner die Grenzen des Skulpturenbegriffes aus, durch die Kontextverschiebung hinterfragt er Funktion und Form der Lifträder und irritiert mit der ihr neu zugewiesenen Funktion.

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