Lois Anvidalfarei
∗1962, Italy
lives and work in Badia, Italy
Lois Anvidalfarei besuchte von 1976 bis 1981 die staatliche Kunstschule in St. Ulrich im Grödnertal. Ab 1983 folgte ein Studium an der Akademie der Bildenden Künste in Wien. Dort erhielt Lois Anvidalfarei seine entscheidende Prägung als Zeichner und Bildhauer durch die Begegnung mit dem Werk und der Person von Prof. Joannis Avramidis. Nach Abschluss des Studiums kehrte Lois Anvidalfarei 1989 in seine Heimat zurück. Die Skulpturen von Lois Anvidalfarei heben trotz ihrer vollen, abgerundeten und reichhaltigen Formen eine physischeLeichtigkeit hervor, eine Sublimierung des Gewichtes in denKörpern und Gedanken. Auf den Boden gestellt, bestimmen sie einen perfekten Bezug des Gleichgewichts zwischenbesetztem Raum und gegebenem Halt. Die verwendeteBronze aus der Adam, Kain und Abel geschmolzen sind, gibt den Gegenständen ihre ganze Kraft und ihre ursprüngliche Energie.
Adam hat die Arme um das Haupt zusammengerollt als Zeichen der Scham und der Demut, nicht aber der Verzweiflung. Der Künstler ist davon überzeugt, dass den Menschen von Anfang an, wie bei Adam, die endlosen Möglichkeiten eines „Neubeginns“ gegeben werden, jene wunderbare Gelegenheit sich wieder zu erheben und trotz eines Fehlers weiterzumachen. So verleiht er der Figur nicht eine in sich geschlossene Körperhaltung, aber ein „sich Aufrichten“ des ganzen Körpers, wie es das leicht gebeugte rechte Bein verrät. Seine stolze Nacktheit erinnert uns an den Tod, der uns von Adam übermittelt bzw. vererbt wird. Nicht jedoch an die Sünde. Die Zierde seiner würdevollen Seele ist durch die ausgesprochene Sanftheit und den höchsten Einklang der Linien gegeben, die das Werk aufbauen, sowie das reiche und weiche Volumen das dieses beinhaltet.
Ein Philosoph behauptete einmal „Gott ist ein großer Künstler und Adam sein Meisterwerk dank der hervorragendenBestandteile wie das Feuer, der Wind, der Staub, das Chaos, der Abgrund und die Finsternis, ohne die jedes Werk unvorstellbar wäre.
All diese Elemente sind der Persönlichkeit von Adam gegeben und einige davon sind in auch in der Plastik von Anvidalfarei gegenwärtig: es ist das Feuer der Schmelzung, der Abgrund und die Finsternis der Bronze und das Chaos der menschlichen Gegensprüche die Adam verkörpert. In Kain und Abel erinnert uns der Künstler auf richtige Weise an eine Gabe. Kain erbietet Gott was er übrig hat, während sich Abel von seinem Besten löst. Und Gott, der die Geste von Abel annimmt und jene von Kain ablehnt, verleitet letzteren, gekränkt und gedemütigt, seinen Bruder umzubringen und lässt dessen Leiche zwischen Unkraut und Steinen, dem Wind und der Sonne ausgesetzt. Es scheint genau dieser Moment der Geschichte zu sein, den Lois Anvidalfarei veranschaulicht: Kain mit Gott erzürnt, fragt nicht nachErklärungen, verschweigt seinen unterdrückten Zorn und richtet seinen Hass gegen Abel. Es ist ergreifend dieses Antlitz von Kain, das, durch die Unmöglichkeit seinen Anblick vom Bruder abzuweichen, den gesamten Körper aus dem Gleichgewicht bringt. Die Schuld von Abel ist, dass er die Wut von Kain nicht gehört hat. Niemand soll sich angesichts des Schmerzes auf die andere Seite drehen: leblos kehrt Anvidalfarei’s Abel der Einsamkeit seines Bruders den Rücken. Die plastische Gruppe hat in jedem Sinn unbestreitbare Qualitäten der Gesetztheit und die Gewalt weicht einer erreichten Harmonie, die der Künstler in der unsicheren Drehung des Körpers von Kain und in der schweren Verwahrlosung von Abel besiegelt.