Ismaïl Bahri
∗1978, Tunisia
Die Arbeiten von Ismaïl Bahri haben eine meditative Qualität. Derfranzösisch-tunesische Künstler nutzt Video, Zeichnung, Skulptur und Soundals Mittel, um einfache Gesten zu inszenieren. So verlangsamt er den Fall vonWassertropfen, indem er sie an einem unsichtbaren Faden entlanglaufen lässt, ergibt den Blick durch ein Tintenglas auf eine belebte Stadt frei, oder er zeigt dasbewegte Bild eines transparenten Wassertropfens auf einem Handgelenk, welchesden Rhythmus des Herzschlags sichtbar werden lässt, und platziert ein vom Windverwehtes Blatt Papier vor der Linse seiner Kamera. Es handelt sich um minimaleExperimente, bei denen der Künstler sich selbst und die Betrachter*innen indie Lage von Beobachter*innen versetzt, denen eine Präsenz, ein Detail, einunerwartetes Geheimnis vor Augen geführt wird. In dem in Pontives gezeigtenVideo Digital (2022) führt eine subjektive Einstellung dazu, dass sich dieBetrachter*innen mit einem Mann identifizieren, der sich in der Wüste inmitteneines Sandsturms befindet. Sein Blick bewegt sich schnell, um sich vor demunaufhörlich peitschenden Wind zu schützen, bis er eine kleine Düne findet, wo erseinen Handabdruck im Sand hinterlässt. Langsam wird dieser Abdruck von denWellen der Sandkörner, die der stürmische Wind aufwirbelt, ausgelöscht. EineZeitmetapher, in der sich die menschliche und die geologische Zeit für ein paarkurze Minuten überschneide.
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