Nadia Kaabi-Linke

∗1978, Tunisia

Nadia Kaabi-Linke macht in ihrer Arbeit Strukturen und Kräfte sichtbar, die unser Zusammenleben steuern, die aber oft im Verborgenen bleiben. So realisiert sie ortsspezifische Installationen, welche die Betrachter*innen physisch involvieren. In ihrer ArbeitThe Mumble of the Homecoming Oak, realisiert in Lyon2022, zog die Künstlerin eine Parallele zwischen dem Abholzen von Bäumen und dem Verlust von geliebten Menschen. Dabei schuf sie in Zusammenarbeit mit vonTodesfällen betroffenen Personen eine raumfüllende Skulptur mit den Ästen undBlättern eines Eichenbaumes, wobei die Erzählungen und Erinnerungen dieserMenschen als vibrierende Klänge in den Ästen des Baumes hörbar waren. FürBiennale Gherdëina 9 bespielt Nadia Kaabi-Linke einen unterirdischen Raum in der Fußgängerzone von St. Ulrich. Ganze Wurzelstöcke ragen aus dem Bodendes Raumes, ihr wildes Wurzelwerk überwuchert in mäandernden Bewegungen den Grund und sucht sich seinen Weg durch den Beton. Im unterirdischen Keller scheint der Wald in die urbane Umgebung eingedrungen. Hier nimmt er sich einen Teil jenes Raumes wieder zurück, aus dem er im Zuge der Entstehung vonDörfern und Städten bis hinauf in höhere alpine Gegenden zurückgedrängt worden war. Nun werden die Wurzeln im gebauten Raum zu Stolperfallen, sodas ssich die Besucher*innen nur mit Vorsicht bewegen können. In diesem Szenario zwischen Schrecken und Faszination finden sich jedoch auch Orte zum Verweilen, zum Beobachten und Sinnieren. Wie sähe unsere Welt aus, wenn wir unserenLebensraum mit dem Wald, den Tieren und den Pflanzen teilen würden? Kaabi-Linke ermöglicht uns hier eine ungewöhnliche und bildgewaltige Erfahrung der Nähe, die den modernen Kult der Ausbeutung in eine respektvolle Haltung des Zuhörens und Empfangens verwandelt.

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