Ruth Beraha

∗1986, Milan, Italy

In ihren oft installativen Werken erforscht Ruth Beraha die Verletzlichkeitund Gewalt von Beziehungen, sowie die Wahrnehmung des Selbst und desAnderen. Dabei thematisiert sie das angsteinflößende Fremde, das nicht länger alsein von uns entferntes Anderes betrachtet werden kann, sondern als konstitutiverTeil unserer eigenen Identität entlarvt wird.Ihre 2021 realisierte InstallationI’ll tell you the story I knowbestand aus einer Soundarbeit und einer trichterförmigenAluminiumskulptur, die auf der einen Seite einen Spionagespiegel und auf deranderen ein Guckloch aufwies. Vor dem Spiegel wurde das Publikum, das seineigenes Spiegelbild betrachtete, einem unfreiwilligen Verhör unterzogen, bei demdie Grenzen zwischen einer Szene der einvernehmlichen Verführung und desMissbrauchs verwischt wurden. Auf der gegenüberliegenden Seite erlaubte dasGuckloch die Beobachtung der Betrachter*innen, was uns gleichzeitig zu Voyeurenmachte. FürThe Parliament of Marmotszeigt die Künstlerin zwei Installationen.Im Hotel Ladinia installiert sieFortune‘s always hiding, I‘ve looked everywhere,bestehend aus einem Schwarm von Keramikvögeln, deren Köpfe hinter einerbröckelnden Mauer verschwinden. Auch hier arbeitet die Künstlerin mit zweiverschiedenen Perspektiven: Welche Realität sehen die Vögel auf der anderenSeite der Mauer? Dazu hat Ruth Beraha mit einer Audioarbeit einen stillgelegtenTheatersaal im Zentrum von St. Ulrich in einen immersiven Erlebnisraumverwandelt. Im Raum hören wir den lieblichen Gesang eines Vögelchens, deruns augenblicklich in eine idyllische Naturlandschaft versetzt. Es folgen weitereVogelstimmen, einige von einheimisch Arten aus dem Grödnertal, anderevon Zugvögeln, die sich hier nur zeitweise aufhalten. Die Stimmen schwellen,von Flügelschlägen begleitet, zu einer lauter werdenden Klangwolke an. Kurzerfüllt die bedrohliche Kraft der Natur in einem dystopischen Szenario den vomMenschen geschaffenen Raum, bevor sich die Stimmen wieder vereinzeln, bis nurmehr das liebliche Stimmchen des ersten Vögelchens zu hören ist. Ist der Klangdieses Gesanges noch derselbe wie zu Beginn, oder hat sich unsere Wahrnehmunginzwischen verändert? Ruth Beraha lässt mögliche Deutungen im ambivalentenBereich stehen, sodass die Betrachter*innen veranlasst sind, ihren Standpunkt neuzu definieren.

Hat teilgenommen an:

Subscribe to our Newsletter

Archiv