Daniele Genadry
∗1980, Baltimore, Maryland, USA
In ihren malerischen und grafischen Arbeiten beschäftigt sich die libanesisch-amerikanische Künstlerin Daniele Genadry vor allem mit verschiedenen Formen der Wahrnehmung und damit, wie bestimmte Geschichten und Bilder spezifische Sehweisen hervorbringen. Ihr besonderes Interesse gilt derFrage nach der Wahrnehmung in Phasen der Instabilität, wie z.B. im Falle vonKriegen oder Krisen. Durch die materielle Oberfläche ihrer Bilder versucht sie, denBlick der Betrachter*innen physisch zu irritieren, um anhand von (Landschafts-)Bildern, die zwischen Präsenz, Fragilität und Verschwinden schweben, eine bewusstere Art des Sehens anzuregen.Für Biennale Gherdëina 9 hat Daniele Genadry eine neue Serie von kleinformatigen Malereien realisiert, in denen sie ausgehend von fotografischenBildern die verschiedenen Facetten des Lichts erforscht, das ferne Berglandschaften zu verschiedenen Tages- und Jahreszeiten einhüllt. Dazu verwendet sie eine pastellfarbene Palette aus blassen Rosa- und Orangetönenund schafft kontrastarme, lichtdurchflutete und teilweise spiegelndeBildflächen, wie bei einer überbelichteten Fotografie, sodass die Lesbarkeit undErkennbarkeit der abgebildeten Landschaften nur mit großer Anstrengung undKonzentration möglich sind. Und so bleibt das visuelle Erfassen des Abgebildeten eine Illusion, denn die Formen, die sich aus den nebulösen Lichtschwaden heraus zu kristallisieren scheinen, lösen sich im selben Moment wieder auf, ähnlich wie die Silhouetten der „bleichen Berge“, der Dolomiten, die nur an der Schwelle zwischen Tag und Nacht, nämlich im Schein der untergehenden Sonne, in hellemRosa aufleuchten, bevor sich ihre Konturen mit dem Verschwinden des Lichts verflüchtigen. In diesem Wechselspiel zwischen Wahrnehmen und Erkennen wird uns die Berglandschaft als eine vergängliche und verletzliche Realität vor Augengeführt.
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