Shuruq Harb

∗1980, Ramallah, Palestina

Shuruq Harb ist eine in Ramallah lebende multidisziplinäre Künstlerin,Erzieherin, Filmemacherin und Schriftstellerin. In ihren Videos und Installationen lässt sich die Künstlerin von der Pop- und Digitalkultur inspirieren, wobei sie sich häufig mit der Frage beschäftigt, wie Bilder gesammelt, gespeichert und in Umlaufgebracht werden und neue Erzählungen entstehen. In dem VideoThe Jump(2020)führt ein vogelähnliches Auge den Betrachter durch den tektonischen Graben des Jordantals, während eine Roboterstimme über das Verschwinden eines jungenPalästinensers rätselt, der ins Mittelmeer gesprungen ist. Das Video erkundet das psychoaffektive Terrain dieses Sprungs ins Leere und ins Unbekannte als extremenAkt der Befreiung, als physischen Nervenkitzel und definitives Ende.Die beiden anderen Hauptdarstellerinnen, die Literaturprofessorin Wafa Darwish und diePsychologin und Trauma-Heilerin Laila Atshan, reflektieren über ihre eigenenErfahrungen bei der Überwindung der Grenzen von Behinderung, und bieten gleichzeitig Einblicke in die Bedeutung und das Motiv des möglichen Suizidsdes Mannes.In der Ausstellung in Pontives verweist Harb in ihrem VideoIn thePresence of Absence auf Mahmoud Darwishs gleichnamige lyrische Reihe vonMeditationen, indem sie die Begriffe Abwesenheit, Liebe, Sehnsucht, Palästina,Geschichte, Freundschaft und die Beziehung zwischen Leben und Tod durch eine poetische und sinnliche Lektüre eines massiven Steins in den Hügeln amStadtrand von Ramallah reflektiert. In diesem Versuch, die vielfältigen Schichten und Ablagerungen, aus denen Steine bestehen, zu lesen, spekuliert das Video über die politischen Implikationen der Abwesenheit, die Sinan Antoon in seinemVortrag Before the Ruins: When Mahmoud Darwish met with Walter Benjamin,“Weit davon entfernt, negativ zu sein, ist die Abwesenheit selbst die Spur und der Beweis dessen, was und wer hätte da sein können und sollen, nicht als einÜberbleibsel, sondern als eine kontinuierliche und ununterbrochene Präsenz.” DieArbeit basiert auf Forschungsmaterial, das während eines Aufenthalts bei Sakiya ART/SCIENCE/AGRICULTURE, dem Französischen Institut in Jerusalem undLa Ferme du Buisson in Ein Qinya 2021 gesammelt wurde, und sie wurde von derA.M. Qattan Foundation in Auftrag gegeben.

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