Henrik Håkansson

∗1966, Sweden
lives and work in Falkenberg, Sweden and Berlin, Germany

Henrik Håkansson (*1966, Schweden) studiert Naturzyklen und beschäftigt sich in seiner künstlerischen Praxis besonders mit der Wahrnehmung von Veränderungen im ökologischen Kontext. In seinen Projekten geht es ihm vor allem darum, die Verbindung zwischen dem Menschen, der Natur und seiner Umwelt sichtbar zu machen, um dem Betrachter Prozesse bewusst zu machen, die er selbst nicht mehr wahrnimmt.

Für die Biennale Gherdëina 7 entwickelte Håkansson ein neue Arbeit, für deren Umsetzung ein spezifischer Ort ausgewählt wurde: das Projekt besteht aus einer polierten Metallplatte, die sich wie ein quadratischer Sockel um einen in der Landschaft für sich stehenden Baum legt, um Natur und Technik im gegenseitigen Spiegelbild zu einer gemeinsamen Wahrnehmung zu vereinen. Die glänzende Oberfläche der Platte reflektiert die Landschaft und den Himmel und ermöglicht dem Betrachter, die Natur unter wechselnden Bedingungen zu beobachten. Der Baum wird zu einem Beobachtungspunk, um Eindrücke zu gewinnen, die unter normalen Umständen nicht sichtbar wären. Gleichzeitig fängt der Spiegel selbst das Bild des Betrachters ein und macht ihm bewusst, nicht nur symbolisch, sondern auch physisch Teil der Natur zu sein, deren Blüte oder Niedergang in direktem Zusammenhang mit seiner eigenen Existenz steht.

Indem er bestimmte Naturphänomene in einem neuen Kontext, wie z.B. in einem Ausstellungsraum, präsentiert, ermöglicht es Håkansson dem Betrachter, zum kritischen Beobachter zu werden. In seiner Videoarbeit „JUNE 22, 2020 203943 (Culicidae sp.)” beobachtete Henrik Håkansson Wiederholungen und Muster des Schwarmverhaltens einer nicht definierten Mückenart (Culicidae sp.), welche oft als Schädling betrachtet wird. Der Film wurde zur Zeit des Sonnenuntergangs am 22. Juni um 20:39:43 Uhr in der Nähe von Berlin, Deutschland, gefilmt. Das Video gehört zu einer Reihe von Filmen im Rahmen einer laufenden Forschung, bei der Zeitfragmente mit einer Hochgeschwindigkeitskamera in verschiedenen Auflösungen und Geschwindigkeiten eingefangen werden, die meist zufällige Aktivitäten und Bewegungen von fliegenden Insekten in verschiedenen Umgebungen dokumentieren. Diese Serien können als Screentests in Anlehnung an Warhols Idee von Filmporträts gesehen werden, bei denen Zeit und Datum in Bezug auf die künstlerische Praxis der On Kawara-Ideen von Zeit und Sein gesetzt werden. Håkanssons Arbeiten funktionieren als subtiler Dialog zwischen Mensch, Natur und Raum, und reflektieren nicht nur das gängige Wertesystem, sondern auch das Eingreifen des Menschen in das sensible Gleichgewicht von Naturprozessen.

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