Hans Josephsohn
∗1920, East Prussia
† 2012, Zurich, Switzerland
Hans Josephsohn (*1920, †2012 Schweiz) war einer der großen Bildhauer der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sein Werk wurde insofern als „existenzielle Skulptur” bezeichnet, da er – in einer Zeit, die stark von den physischen und moralischen Verwüstungen des Zweiten Weltkriegs geprägt war – eine Sprache entwickelte, die es ihm ermöglichte, die zerbrechliche Beziehung zwischen dem Menschen und der Welt, die ihn umgab, zu beschreiben. Auf der Biennale Gherdëina 7 werden vier Skulpturen ausgestellt: ein Kopf, eine Halbfigur, eine stehende und eine liegende Figur. Die teils lebensgroßen Messingfiguren repräsentieren Visionen der menschlichen Figur von beeindruckender Intensität, welche wie im Gedächtnis sedimentiert erscheint, jedoch stets am realen Vorbild erarbeitet wurde. Die grundlegenden Fragen Hans Josephsohns waren stets bildhauerischer, künstlerischer Natur, welche er Zeit seines Lebens an der menschlichen Figur, am Menschen als Gegenüber, erarbeitete. Die mächtigen und gleichzeitig fragilen Volumen stehen in Relation zu dem sie umgebenden Raum, und erzeugen im Spannungsfeld zwischen Gleichgewicht und Ungleichgewicht etwas sehr Berührendes, eine Universalität und Radikalität, welche die Relevanz dieser Arbeiten ausmacht. Mit ihrer groben Erscheinung und den roh verarbeiteten Oberflächen – die sie wie aus Baumrinde oder Vulkangestein erscheinen lassen – verbinden sich die Skulpturen zu einem obsessiven Menschenbild, sodass sie nicht nur die Frage nach der existenziellen Verfassung des Menschen selbst, sondern auch jene nach der künstlerischen Praxis der Skulptur an sich aufgreifen.