Josef Dabernig
∗1956, Austria
lives and work in Vienna, Austria
Anlässlich der Biennale Gherdëina hat der österreichische Künstler Josef Dabernig (*1956, Österreich) in Zusammenarbeit mit dem Kurator Adam Budak ein Projekt mit dem Titel Cinema of Worldmaking geschaffen, in dessen Rahmen er den alten Speisesaal des Hotel Ladinia, ein Gebäude im historischen Zentrum von St. Ulrich in Gröden, das seit Jahren nicht mehr genutzt wird, in ein Kino transformiert hat. Während der gesamten Dauer der Biennale hat das Cinema of Worldmaking jeden Tag eine Auswahl von Kurz- und Spielfilmen von Künstlern gezeigt. Im Rahmen des Worldmaking Cinema Fridays wurden außerdem einige Filme gezeigt, die Kinogeschichte geschrieben haben, wie „Uccellacci e uccellini” (Große Vögel, kleine Vögel) von Pier Paolo Pasolini aus dem Jahr 1965, oder „Brutti, sporchi e cattivi” (Die Schmutzigen, die Häßlichen und die Gemeinen) von Ettore Scola aus dem Jahre 1976. Unter den Videos der vorgestellten Künstler sind auch einige Kurzfilme von Dabernig selbst. Tatsächlich begann der Künstler seine Karriere Anfang der achtziger Jahre als Bildhauer, wurde 1996 Filmemacher und damit rasch international wahrgenommen. Seine Filme sind oft in rauen Szenarien angesiedelt, mit einem existenzialistischen Ansatz und in einem minimalen und trockenen, geordneten und gut strukturierten Stil. In der künstlerischen Auseinandersetzung spielt bei Dabernig die modernistische Sprache der Nachkriegsarchitektur auf internationaler Ebene eine wichtige Rolle. Seine formale Struktur als Kodifizierung der sozialen und politischen Geschichte wird manchmal durch hybride Texte und eine romantische Handlung verändert.Ein weiteres Video von Josef Dabernig wurde im Wartezimmer einer Zahnarztpraxis in St. Ulrich präsentiert. „Heavy Metal Detox” ist eine ästhetische Paraphrase, ausgehend von einem Eingriff, den der Künstler an seinem eigenen Körper durchführen lässt, um die Füllungen seiner Zahnplomben zu entfernen. Die Operation verdichtet sich aus einer spirituellen und existenziellen, sarkastischen und nihilistischen Perspektive zu einer Kantate im filmischen Format.
Schließlich ist Dabernig auch mit skulpturalen Werken aus den Anfangsjahren seiner künstlerischen Laufbahn vertreten, die während seines Studiums an der Wiener Akademie unter der Leitung seines Lehrers Joannis Avramidis entstanden. Der Lehrer erlaubte Dabernig nicht, sein Studium nur mit Zeichnungen und Konzepten abzuschließen, er verlangte die Produktion einer echten Skulptur. Die figurative Formensprache dieser frühen Werke, von der sich Dabernig nach seinem Studium der Bildhauerei weitgehend distanziert hat, vermittelt noch heute eine Vorstellung von der Entwicklung seines minimalistischen Stils, der auch sein bildhauerisches Werk in den letzten Jahren stark beeinflusst hat. Dieser Rückgriff auf seine ersten bildhauerischen Werke kann als konzeptuelle Antwort und Auseinandersetzung mit der bildhauerischen Tradition des Grödnertals verstanden werden.