Pavel Büchler
∗1952, Czechoslovakia
lives and work in Manchester, United Kingdom
Pavel Büchler (*1953, Tschechische Republik) ist bekannt für seine wegweisende, konzeptuelle Arbeit mit Sprache, veralteter Technik und bewegten Bildern, sowie für seine langanhaltende Karriere als einflussreicher Lehrer und Schriftsteller. Büchlers multimediale Praxis ist darauf ausgerichtet, die Codes des Alltags zu unterlaufen oder ikonische Texte der Literatur- und Wissenschaftsgeschichte zu dekonstruieren und in Performance, Fotografie, Installation, Schrift und Buch zu übersetzen. Der Ton – oft angeeignet und bearbeitet – gehört zu seinen bevorzugten künstlerischen Ausdrucksmitteln.Die Klanginstallation “Dialogo sopra i due massimi sistemi del mondo” (2013) evoziert ein Gefühl der Vergänglichkeit und Nostalgie. Die zweikanalige Installation mit historischen PA-Lautsprechern sendet ein Fragment aus Galileo Galilei‘s Schrift „Dialog über die beiden hauptsächlichsten Weltsysteme“ (1632), eine Abhandlung über das alte ptolemäische gegen das neue kopernikanische System, in welcher Galilei als Begründer der neuzeitlichen Naturwissenschaften nicht mehr die Erde, sondern die Sonne als zentralen Körper unseres Planetensystems definierte. Aus Pavel Büchlers Interesse an sowohl kommunikativen als auch epistemologischen Repräsentationssystemen wählte der Künstler ein Fragment des Dialogs dieser Schrift aus, in welchem die Protagonisten über ihre Zweifel und Ängste vor Desorientierung angesichts der behandelten Themen sprechen. Diesen Dialog übersetzte er, ergänzt mit den Klängen der Nebelhörner von Kap Arago und Vancouver, in das verschlüsselte Kommunikationsmittel der Morsezeichen.
Eine weitere Arbeit im öffentlichen Raum ist die Leuchtschrift „Open“, eine Adaption der historischen Reklameschrift „Pension“ an der Fassade des Hotel Ladinia, jener aufgelassenen und seit Jahren geschlossenen historischen Pension im Zentrum von St.Ulrich, welche anlässlich der Biennale Gherdëina ausnahmsweise wieder geöffnet wurde und zum Ausstellungsort avancierte. Durch das einfache Verschieben einzelner Buchstaben des originalen Schriftzuges veränderte sich das Wort „Pension“ zu „Open“, und wurde somit auch und gerade in Zeiten der Pandemie und ihrer Beschränkungen zu einem subtil platzierten, jedoch zentralen Symbol dieser Biennale.
Die Textinstallation „Problem gelöst“ besteht aus einer Serie von gerahmten Blättern mit dem Schriftzug „Mögen andere kommen und es besser machen“. Büchler interveniert auch hier wieder subtil ironisch, um das Alltägliche und Gewohnte zu unterlaufen und zu hinterfragen. Das Arbeiten mit Texten, die das alltägliche Leben als Erfahrung und Bedeutung in der Kunst reflektieren, ist ein wesentlicher Aspekt seiner Arbeitsweise. Kunst verändert nach Pavel Büchler die Welt und unsere Wahrnehmung, nicht indem sie Werke hervorbringt, sondern indem sie in der Welt am Werk ist.