Paloma Varga Weisz
∗1966, Germany
lives and work in Düsseldorf, Germany
Im Ausstellungsraum des Trenker-Saals hängt der Körper eines Mannes von der Decke. Die Skulptur stammt von Paloma Varga Weisz (*1966, Deutschland). Auf den ersten Blick würde das verwendete Material und die Gelenke des Körpers auf ein historisches Werk hindeuten. Inspiriert wurde Paloma Varga Weisz durch ein historisches Foto von Toni Kurz, dessen tragischer Absturz und Todeskampf an der Eiger-Nordwand 1936 zu einem der ersten medialen Ereignisse des beginnenden nationalen Wettlaufs alpiner Erstbesteigungen wurde. Der Mann hängt hilflos am Riemen in den Seilen, seine Gelenke sind weich, seine Gliedmaßen scheinen wie jene einer lebensgroße Marionette an Fäden zu hängen. Sein Ausdruck wirkt verloren, und er hat eine Aura der Verletzlichkeit. Er hängt buchstäblich in der Luft, ist zur Unbeweglichkeit verurteilt. Dieses Werk ist Zeuge der unglaublichen Präzision der handwerklichen und künstlerischen Sprache von Paloma Varga Weisz. Tatsächlich fertigt die Künstlerin ihre Werke selbst an, was heutzutage ungewöhnlich ist, da die meisten Künstler sich in der Regel auf ein Team von Assistenten oder eine externe Produktion verlassen. Und wenn ihre Kunstwerke mittelalterlich und märchenhaft wirken, so warnt uns Varga Weisz: „Ich hasse die Worte ‚mythisch‘ oder ‚märchenhaft‘, denn keine meiner Skulpturen ist es. Meine Inspiration kommt aus anderen Quellen, wie Zeitungen oder Pornoheften, nicht aus einem Märchen“.
Die Künstlerin ist auch mit vier Kabinetten und einer Serie von Aquarellen vertreten. Die schlanken, hochformatigen Kabinette entsprechen ganz der Idee der Wunderkammer. Varga Weisz verwendet hierbei alte Kleiderschränke, in denen ursprünglich Schätze in den Regalen und sogar in den Türen verstaut wurden. Nun fungieren ihre Schränke als Werkkataloge, in denen sie ihre handgeschnitzten Figuren aus Holz sowie andere Gegenstände in Dialog zueinander setzt. Demgegenüber stehen die zarten Aquarelle als eigenständige Skizzen, die das Universum der Künstlerin poetisch kommentieren.