Paulina Ołowska
∗1976, Poland
lives and work in Krakow, Poland
Die facettenreiche Praxis von Paulina Ołowska (*1976, Polen) ist inspiriert von modernistischen Utopien, amerikanischer und osteuropäischer Populärkultur, Feminismus, Design und Konsumverhalten. Die Künstlerin bezieht sich oft auf Figuren aus der Vergangenheit und sucht nach vergessenen Geschichten, um deren Wert in einer historischen Perspektive und gleichzeitig in einer zeitgenössischen Dimension zu erforschen. Weiters interessiert sie sich für die Bedingungen des Lebens und Arbeitens in abgelegenen ländlichen Umgebungen.Für das Projekt „Destroyed Woman”, welches in Teilen bei der Biennale Gherdëina präsentiert wird, ließ sich Paulina Ołowska von drei Kurzgeschichten „über Dekadenz und Leidenschaft” von Simone de Beauvoir aus dem Jahre 1967 inspieren. Die Neuinterpretation dieser Erzählungen über das Altern, die Einsamkeit und die Liebe der weiblichen Protagonistinnen bietet eine neue zeitgenössische Perspektive auf die Themen von Weiblichkeit und Verletzlichkeit. Das Projekt besteht aus einer Reihe von Skulpturen, die in Zusammenarbeit mit dem Designer Michał Wisniewski entwickelt wurden. Sie basieren auf den Kleidungsstücken des Designers, die zuerst in der Erde vergraben und dann exhumiert wurden, wonach sie zu neuen Kreationen zusammengenäht und von einer Metallstruktur eingefasst wurden, sowie von einem Keramikhaus gekrönt werden, das den Platz des Kopfes einer Schaufensterpuppe einnimmt.
Bei der Biennale Gherdëina 7 präsentierte Paulina Ołowska auch eine ortsspezifische Version ihrer gefeierten Performance, bzw. ihres Tableau vivant „Slavic Goddesses and the Ushers”, die während der Eröffnungsnacht in der atemberaubenden Landschaft auf dem Pilathof inszeniert wurde.
Unter Bezugnahme auf das Werk von Zofia Stryjeńska (1891-1976) untersuchte Paulina Ołowska die Vorstellungen dieser visionären polnischen Künstlerin vom Ballett als „Zeremonienkranz”, und entwarf Kostüme, die auf der 1918 entstandenen Gemäldeserie der Malerin mit dem Titel „Bożki słowiańskie” (Slawische Göttinnen) basieren. Diese surrealen Kostüme mit ihrem riesigen Kopfschmuck und Verzierungen aus Pfauenfedern und Weizenähren erzählen von fantasievollen Figuren aus der slawischen Mythologie und Folklore: Göttinnen der Bosheit, des Wohlstands, des Schicksals, des Frühlings, des Winters und des Himmels, mit „Körpern aus Ton, Haaren aus Weizen oder Zweigen, Dornen und Disteln”. Eine Originalpartitur des amerikanischen Künstlers Sergej Tscherepnin vermischte kosmische Klänge mit den traditionellen Mazurken, der Polka und Oberka, sowie der „spirituellen Disco” und der lokalen Musiktradition Grödens. So hat Tscherepnin eine elektronische Variation komponiert, eine ätherische, ortsspezifische Klanglandschaft, die über Lautsprecher gespielt wurde, eine Musik, nach der die slawischen Göttinnen sich bewegten und tanzten.
Interpreten des Tableau vivant „Slavic Goddesses and the Ushers”: Cindy Hofer, Alex Großrubatscher, Joanna Gruberska, Valerie Moroder, Leonora Prugger, Michal Štochl.