Andrius Arutiunian

∗1991, Armenia/Lithuania

Andrius Arutiunian (1991, Vilnius, Litauen) ist ein armenisch-litauischer Künstler und Komponist, der in den Niederlanden lebt. Seine Praxis umfasst Installation, Film, Klang und Skulptur, die er als verschiedene Register einer einzigen Fragestellung behandelt.

In seinen jüngsten Arbeiten spielt Arutiunian mit alternativen Modellen der Weltordnung, die in volkstümlichen Kosmologien und spekulativen Mythologien verwurzelt sind. Oft greift der Künstler auf nicht-westliche Wissenssysteme zurück und zeigt auf, wie Mythos und Macht seit jeher untrennbar miteinander verbunden sind und wie sich Geschichten der Unterdrückung in der zeitgenössischen Kultur wiederholen. Arutiunians Installationen erforschen Klang als fließende Architektur der Zeit – akustisch und politisch zugleich. Volkskulturelle Elemente, geopolitische Narrative und Geschichten des Rohstoffabbaus finden oft ihren Widerhall in dieser Recherche, in der der „Underground“ (verstanden als physischer Raum und als politischer Zustand) zu einem Raum für Gegennarrative wird.

Anlässlich der Biennale Gherdëina 10 präsentiert Arutiunian eine neu in Auftrag gegebene Installation und Videoarbeit, die sich mit Rohstoffabbau, Bergmythologien und spekulativen Zukunftsgottheiten auseinandersetzt. Als „Bankett der Felsen“ konzipiert, entfalten sich die Werke als Versammlung nicht-menschlicher Wesen im schummrig beleuchteten, hölzernen Theatersaal des Dorfmuseums.

The Black Banquet fungiert als einladender Raum für Geister: ein Tisch, geschmückt mit Ikonografie der Unterwelten. Das Werk funktioniert durch zwei Formen der Gewinnung: Bitumen, ein Überbleibsel aus der Tiefenzeit, umhüllt die Skulptur, während Motive von Münzen, Grabgefäßen und Grabwänden in einen eigens entwickelten Algorithmus eingespeist wurden, um eine neue Ikonografie zu erzeugen – spekulative Gottheiten einer kommenden Welt, zusammengesetzt aus Kosmologien der Unterwelt. Das Werk ist zugleich synkretistisch und synthetisch und wird so zu einem Versammlungsort für das Unsichtbare.

Neben der Skulptur zieht die Videoarbeit Lethe das Publikum tiefer in die spekulative Logik der Installation hinein. Das Werk zeigt die langsame Durchquerung eines rauchgefüllten Clubs – eines Ortes chthonischer Versammlung, an dem Trance, kollektives Ritual und die Ästhetik des Untergrunds zusammenfließen. Während sich die Kamera durch den Dunst bewegt, tauchen im Rauch kaum wahrnehmbare Gestalten auf: halluzinatorische Gottheiten, die durch denselben synthetischen Prozess entstanden sind, der auch die Ikonografie der Skulptur geprägt hat. Eine vierkanalige Klangarbeit hüllt den Raum ein: ein Trance-Track, verlangsamt auf ein Siebtel seines ursprünglichen Tempos, seiner hohen Frequenzen beraubt und in Richtung Unterwelt gestimmt.

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