Leonardo Bürgi Tenorio

∗1994, Mexico/Switzerland

Leonardo Bürgi Tenorio (1994, Basel, Schweiz) ist ein in Basel lebender mexikanisch-schweizerischer Künstler. Seine künstlerische Praxis umfasst vor allem Installationen, Skulpturen und Zeichnungen, die sich mit der Beziehung zwischen Mensch und Natur, zwischen Natürlichem und Künstlichem, zwischen architektonischen Räumen und natürlichen Umgebungen sowie mit Wachstum und Verfall auseinandersetzen. In seinen Installationen verwendet der Künstler eine Vielzahl von Materialien, die von traditionellen künstlerischen Medien wie Zeichnung oder Keramik reichen und oft mit organischen Elementen wie Pflanzen, Erde, Pilzen und anderen Ressourcen aus der Natur kombiniert werden. Diese können sich im Laufe der Ausstellung weiterentwickeln oder zersetzen. In seinen jüngsten Arbeiten beschäftigt er sich mit dem kolonialen Hintergrund und der Verbindung zwischen dem Wardian Case und dem Terrarium als Objekt biologischer Entnahme und zugleich als Projektionsfläche für eine romantisierte Ökologie-Erzählung.

Bürgi ist auch im kulinarischen Bereich tätig. Er entwickelt Installationen und Performances, die vom Teilen und der Zubereitung von Essen ausgehen, um politische, soziale und kulturelle Themen anzusprechen. Von 2014 bis 2022 war der Künstler Teil des Kitchen Collective Hasoso, dessen Mitglieder ein gemeinsames Interesse an kulinarischen Praktiken, Performance und politischem Aktivismus teilten.

Für die Biennale Gherdëina 10 präsentiert Bürgi Tenorio eine Gruppe von Zeichnungen sowie adaptierte Terrarien, die ursprünglich für seine Ausstellung im Kunsthaus Baselland konzipiert wurden. Diese Readymade-Strukturen fungieren als geschlossene Mikroumgebungen, die jeweils eine sorgfältig arrangierte Konstellation aus Objekten, Materialien und organischen Bezügen enthalten. Für die aktuelle Präsentation hat der Künstler die Terrarien überarbeitet und lokal gesammelte Elemente, Fotografien und Souvenirs einbezogen, die er während seiner Vor-Ort-Recherchen in Gröden gesammelt hat. Jede Einheit wird so zu einem in sich geschlossenen System, das subtil an seinen neuen Kontext angepasst ist, dabei aber seinen künstlichen, konstruierten Charakter beibehält.

Historisch mit der Sammlung, Züchtung und Präsentation exotischen Lebens verbunden, fungieren Terrarien in der Gegenwart als ambivalente, triviale Vorrichtungen: Sie sind zugleich Orte der Fürsorge und Kontrolle, der Intimität und Distanz. Verkleinert und umschlossen bieten sie eine begrenzte Begegnung mit einem Naturbild – sowohl nah als auch vermittelnd.

Als Gruppe bilden die Werke eine fragmentierte Landschaft paralleler Welten, in der natürliche und kulturelle Elemente in einem fragilen, instabilen Gleichgewicht koexistieren.

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