Jacopo Belloni

∗1992, Italy

Jacopo Belloni (1992, Ancona, Italien) lebt und arbeitet in Rom und Genf. Seine Praxis umfasst Installation, Skulptur und Performance in einem ständigen Versuch, die Grenzen zwischen Belebtem und Unbelebtem, Realität und Fiktion, Menschlichem und Nicht-Menschlichem zu verwischen. Bellonis Werke entwickeln sich oft weiter und verändern sich im Ausstellungsraum, wodurch ihre inhärente Fragilität und ihre Suche nach Vollkommenheit unterstrichen werden. In seinem nie endenden, offenen Lernprozess integriert der Künstler jedes Mal nahtlos neue Materialien und Techniken – von Seide bis Metall, von Glas bis Schaumgummi.

„Ich mag es, wenn das Publikum beginnt, das Leben in den Dingen zu hinterfragen, und dabei die Grenzen zwischen Objekt und Subjekt, zwischen Handelndem und Betroffenem, zwischen Leben und Tod verwischt. Das sind die Spannungen, die ich durch meine Werke zu vermitteln versuche, in der Hoffnung, dass jeder Besucher und jede Besucherin mit mehr Fragen zur Realität nach Hause geht, anstatt sie als gegeben hinzunehmen.“

Auf dem Dachboden eines alten Schulgebäudes in St. Christina präsentiert Belloni die Installation Dormancy. Sie entfaltet sich wie ein stiller Begräbnisritus, der das Verschwinden betrauert und zugleich Raum für Erneuerung schafft. Das Werk ist in zwei skulpturale Zyklen unterteilt, die sowohl die biologische als auch die emotionale Dimension des Schwebezustands einbeziehen.

Der erste Zyklus, The Sleepers, besteht aus durchscheinenden Glasformen, die Samen aus dem Grödnertal enthalten, die in Zusammenarbeit mit lokalen Gemeinschaften gesammelt wurden. Diese zerbrechlichen Gefäße ähneln Alltagsbehältern – Taschen, Rucksäcken, Geldbörsen –, die in Zeitkapseln verwandelt wurden, um schlafendes Leben zu bewahren. Der zweite Zyklus, Nenie, führt Kupferdestilliergeräte ein, die langsam beruhigende Essenzen aus Alpenpflanzen extrahieren und duftende Tröpfchen in den Raum abgeben.

Gemeinsam verweilen diese Werke in einem Zustand der Stille und Latenz. Sie laden das Publikum zu einer verlangsamten Wahrnehmung ein, in der der Schlafzustand keine Abwesenheit ist, sondern ein Zustand der Ausdauer – ein Intervall, in dem sich das Leben zurückzieht, sich vorbereitet und still fortbesteht.

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