Giulia Cenci
∗1988, Italy
Giulia Cenci (1988 ,Cortona, Italien) lebt und arbeitet in Cortona.In ihrer künstlerischen Praxis, die sich hauptsächlich in Form von Skulpturen und immersiven Installationen ausdrückt, verschmelzen und vermischen sich Elemente aus der Tierwelt mit menschlichen oder synthetischen Figuren. In der Freiheit ihres Ateliers in der toskanischen Landschaft arbeitet sie persönlich mit Metallschrott und industriellen Rückständen und integriert diese mit natürlichen Materialien wie Asche oder Graphit sowie Abgüssen anatomischer Elemente. Dieser Prozess führt zu hybriden Kreationen, die die Grundlage für eine tiefe Verbindung zwischen dem Künstlichen und dem Natürlichen bilden. Cenci sagt dazu: „Die Idee der Produktion durch Lebewesen, Tiere und andere – und die Idee der „Herstellung von Leben“ – ist in meiner Forschung oft präsent. Ich verbinde diese Art der Produktion mit einem endlosen Fließband, auf dem Lebewesen ihrer Freiheit und Autonomie beraubt werden.”
Cencis Skulpturen werden oft in Gruppen präsentiert und schaffen immersive Umgebungen, in denen eine kollektive Erzählung entsteht. Beispiele hierfür sind die 150 Meter lange Installation dead dance, die für die Biennale von Venedig 2022 konzipiert wurde, sowie die Figurengruppe secondary forest, die im Rahmen eines Auftrags der High Line 2024 realisiert wurde.
An zwei verschiedenen Orten präsentiert Giulia Cenci skulpturale Körper, die zwischen Wachstum und Zusammenbruch zu schweben scheinen. Im Kulturhaus Luis Trenker erhebt sich eine vertikale Aluminiumform wie eine verzerrte Blume. Knochen, Äste und mechanische Fragmente verschmelzen zu einer Struktur, die sich in sich selbst zurückfaltet. Ihre Geste suggeriert sowohl Entstehung als auch Erschöpfung, als ob sich der Prozess des Werdens bereits umkehren würde.
Im Hotel Ladinia nimmt the hollow men #3 einen schmalen Schwellenbereich zwischen einer funktionalen und einer verschlossenen Tür ein. Die zweibeinige Gestalt, gekrönt von einem Wolfskopf und zusammengesetzt aus skelettartigen und pflanzlichen Elementen, schwebt in einem mehrdeutigen Zwischenraum. Ihre halbtransparente Oberfläche gibt den Blick auf vielschichtige Innenstrukturen frei und offenbart den Körper als etwas Zusammengesetztes statt als Ganzes.
Gemeinsam artikulieren die Werke eine fragile Koexistenz organischer und industrieller Systeme – Formen, die lebendig erscheinen, hinsichtlich ihrer eigenen Stabilität jedoch unsicher bleiben.