Augustas Serapinas

∗1990, Lithuania

Augustas Serapinas (1990, Vilnius, Litauen) lebt und arbeitet in Vilnius. Der Künstler schafft großformatige Installationen aus Materialien, die aus spezifischen historischen, kulturellen und politischen Kontexten stammen. Durch die Veränderung der Präsentation dieser architektonischen Elemente oder Objekte – durch das Herauslösen aus ihrem ursprünglichen Kontext und Einfügen in einen Ausstellungsraum – verändert Serapinas die Wahrnehmung der Objekte grundlegend. Durch diese räumlichen Verschiebungen hebt der Künstler die Geschichten hervor, die mit den Objekten und Architekturen einhergehen: die Erinnerungen, die Menschen und die Orte, von denen sie zeugen.

„Wir betrachten das Haus immer als sehr monumentales Konzept. Im Falle der traditionellen Holzarchitektur kann es jedoch zerlegt, versetzt und zu etwas anderem wieder zusammengesetzt werden. Auf diese Weise können wir das Gebäude und seine Teile aus einer anderen Perspektive betrachten. Ich betrachte Zerstörung als eine Form der Bewahrung. […] Ich baue etwas anderes, kein Haus mehr. So offenbare ich die wichtigste Idee solcher Gebäude: die Modularität. Wenn ich es dekonstruiere und seine Teile zeige, denke ich über das Wesen dieser Art von Architektur nach. Ich arbeite nur mit Häusern, die eindeutig abgerissen werden sollen. Manchmal ist es jedoch auch ganz natürlich, dass diese Gebäude verschwinden. Das kann Teil des Prozesses sein.“

Für die Biennale versetzt Serapinas eine traditionelle Blockhütte von der Seiser Alm an einen neuen Standort. Das Gebäude, das ursprünglich als Heuscheune mit kleiner Küche und Schlafbereich genutzt wurde, war baufällig geworden und sollte abgerissen werden. Ausgehend von ihrer Blockbauweise betrachtet der Künstler die Hütte als modulares System: Jeder Holzblock wird nummeriert, zerlegt und neu angeordnet.

Die Hütte, die nun in St. Ulrich aufgestellt ist, wird nicht in ihre ursprüngliche Form zurückversetzt, sondern in ihren einzelnen Bestandteilen gestapelt. Die Holzstämme sind gruppiert, lehnen aneinander und balancieren ohne zusätzliche Befestigungen in einem Zustand des Dazwischen. Die Hütte dient nicht mehr als Schutzraum, sondern wird teils Lagerraum, teils Denkmal der Vergangenheit.

Die Installation trägt das Gewicht des Holzes und dessen innewohnende Zerbrechlichkeit. Ihre Neukonfiguration entfaltet sich als doppelte Geste: Durch die physische Dekonstruktion hinterfragt sie den Begriff des Hauses selbst. In diesem Zustand bringt die Struktur materielle Erinnerung und latentes Potenzial zum Vorschein, nimmt den öffentlichen Raum ein und wartet darauf, erneut verwandelt zu werden.

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