Yuyan Wang
∗1989, China
Yuyan Wang (1989, Qingdao, China) lebt und arbeitet in Paris und Korsika. Sie ist Filmemacherin und Videokünstlerin und arbeitet vorwiegend mit Found Footage, das sie neu anordnet, zerlegt und zu neuen filmischen Werken umschneidet. In ihren Videos reflektiert Wang die Mechanismen von Produktion, Konsum und Assimilation innerhalb der Bildindustrie. Durch ihre Bearbeitung verleiht die Künstlerin den Fragmenten des Found Footage neue Bedeutungen und Hierarchien und schafft so immersive sensorische Umgebungen.„Während meines gesamten Arbeitsprozesses muss mein Körper eine riesige Menge an Bildern verarbeiten. Ich begann, mir die Netzhaut fast wie eine Pflanze vorzustellen, die Photosynthese betreibt und Licht in Wahrnehmung, Erinnerung oder Vorstellungskraft umwandelt“, erklärt die Künstlerin. „Ich interessiere mich immer für die endlose Medienproduktion, die auf industrieller Produktivität basiert. Diese Industrialisierung von Bildern, die Bedürfnisse befriedigen, fasziniert mich. Sie werden so intensiv konsumiert, fanatisch produziert und ebenso eifrig kopiert und verbreitet. Sie werden vielleicht nicht nur aufgenommen, um gesehen zu werden, sondern vielmehr, um geteilt, verschoben und manipuliert zu werden, manchmal von Menschen, häufiger jedoch von Algorithmen.“
Im Zentrum der Sala Trenker präsentiert Wang die Videoinstallation Green Grey Black Brown (2024), die das Publikum in eine synthetische Landschaft aus fließendem Öl und Plastik eintauchen lässt. Das Werk besteht aus Found Footage industrieller und kommerzieller Kontexte, darunter Kunststoffproduktionsstätten in Südchina, und untersucht die sich wandelnden Bedeutungen von Bildern, während diese durch verschiedene Nutzungs- und Verbreitungssysteme zirkulieren.
Durch die rhythmische Schnitttechnik und einen verlangsamten Soundtrack von Owner of a Lonely Heart entfaltet sich die Installation als dichte, sich wiederholende Umgebung. Viskose Oberflächen, dunkle Flüssigkeiten und synthetische Texturen verschmelzen darin zu einem kontinuierlichen Fluss und verwischen die Grenzen zwischen natürlichen und künstlichen Formen.
In der geschlossenen Architektur des Raums positioniert, verstärkt das Werk das Gefühl des Eintauchens und der Desorientierung, während das Publikum auf dem Kunstrasenteppich sitzen kann, der die Installation umgibt. So entsteht eine spekulative Landschaft, geformt durch Gewinnung und Transformation, in der Öl sowohl als Material als auch als Metapher erscheint und dabei Prozesse der Produktion, Zirkulation und des Konsums miteinander verbindet.