Gabriela Oberkofler
∗1975, Italy
Gabriela Oberkofler (1975, Bozen, Italien) ist eine Künstlerin aus Südtirol, die in Stuttgart lebt. In ihren Installationen aus natürlichen Elementen und in ihren Zeichnungen – ob klein- oder großformatig, auf Papier oder an Wänden – hebt sie die Rolle hervor, die die Natur in der heutigen Welt spielt.In ihren farbenfrohen und detailreichen Zeichnungen, die aus Linien und Formen bestehen, betont Oberkofler die Vitalität von Pflanzen- und Tierarten und deren Verflechtung mit der menschlichen Existenz. Das Geflecht aus Blumen, Wurzeln, Ästen und Blättern, das sich in ihren Installationen und Zeichnungen verwebt, sowie die Saatgutarchive, die sie sorgfältig bewahrt, offenbaren ihre Faszination für den Reichtum, die Vielfalt und die Widerstandsfähigkeit natürlicher Ökosysteme.
Oberkofler reflektiert den Verlust natürlicher Ressourcen und zeigt auf, wie dieser mit dem Verschwinden von Lebens- und Kulturräumen zusammenhängt: „Mein Ziel ist es, zu zeigen, dass etwas fehlt.“ In Flaas, in den Bergen nahe Bozen, hat die Künstlerin ihren Familienbauernhof, den Taberhof, für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Sie hat ihn in Institut für alternative Landwirtschaft, zeitgenössische Kunst und Leben in der Peripherie umbenannt und veranstaltet dort Ausstellungen und künstlerische Projekte.
In einem leerstehenden Ladenlokal nahe der Fußgängerzone von St. Ulrich schafft Oberkofler einen Raum, der zwischen Labor und Gärtnerei pendelt. Inspiriert von der Geschichte des „letzten Feldes“ des Tals – einem Symbol für den Wandel von der Landwirtschaft zum Tourismus – sammelt die Installation Fragmente dieser verschwindenden Landschaft und verortet sie neu in einer kontrollierten Innenraumumgebung.
Pflanzen, die von den ehemaligen Ackerflächen stammen, werden in Glasbehältern kultiviert und durch Infrarotlicht am Leben erhalten, als befänden sie sich in einem Zustand künstlicher Konservierung. Um sie herum erstrecken sich filigrane Zeichungen über Wände und Decke, angelehnt an die Pitores des Fassatals, die pflanzliche Formen zerlegen und zu zarten, weitläufigen Netzwerken neu zusammenfügen. Das Gezeichnete und das Lebendige beginnen zu verschmelzen und lassen die Grenzen zwischen Beobachtung und Wachstum verschwinden.
Oberkoflers Intervention inszeniert eine stille Spannung zwischen Fürsorge und Kontrolle, Kultivierung und Verlust – und verwandelt den Laden in einen spekulativen Ort, an dem Erinnerung, Ökologie und die Zukunft der Landschaft des Tals in fragiler Schwebe gehalten werden.